Strukturen als Selbstfürsorge – meine Definition (Blog #20)

Lesezeit: 3 Minuten

Dies ist der dritte Inhalt der Content-Serie «Loslassen». Ich habe viel gesagt bzw. geschrieben und stelle fest: Es geht eigentlich nur um die «Erlaubnis». Die Erlaubnis, um jetzt einfach mal nichts zu müssen. Um dies zu erkennen und im Alltag anwenden zu können, braucht es das nötige Bewusstsein, um den inneren Leistungsdruck von einer Aussensicht betrachten zu können. Was mir dabei hilft, teile ich in diesem Beitrag anhand der Gedanken zur Frage «Welche Strukturen helfen mir, losgelassen, verbunden und bei mir selbst zu sein?». Oder, umgekehrt ausgedrückt: Nicht in diesem Leistungsmodus unterwegs zu sein, an welchem ich eben auf eine Art das Bewusstsein verliere?

Strukturen

Zu Beginn ein kurzer Exkurs zum Thema «Strukturen». Lange Zeit verstand ich Strukturen vor allem als Werkzeug, um Aufgaben zu erledigen und dass wir gemeinschaftlich als Gesellschaft funktionieren. Heute sehe ich sie anders. Die hilfreichsten Strukturen in meinem Alltag dienen nicht der Leistung, sondern der Verbindung zu mir selbst, um Halt in mir bzw. im Leben zu finden. Sie helfen mir, bei mir zu bleiben, auch wenn das Leben gerade unruhig ist und/oder der innere Antreiber gerade stark ist. Dies als Grundvoraussetzung, damit ich dann auch mal loslassen kann.

In den vergangenen Wochen habe ich mir regelmässig die Frage gestellt: «Was gibt mir derzeit am meisten Halt?» Ich notierte mir dies jeweils einmal pro Woche in meiner Wochenrückschau sonntagabends. Als ich die Notizen später auswertete (danke, liebe KI), fiel mir etwas Überraschendes auf: Fast nie nannte ich berufliche Erfolge, Geld oder Besitz. Stattdessen tauchten immer wieder dieselben Themen auf. Bewegung. Stille. Schreiben. Tiefe Beziehungen. Schlaf. Rituale. Und die Arbeit an meiner eigenen Vision bzw. an meinen Projekten.

Im Detail, meine wichtigsten Strukturen:

Strukturen für den Körper

Um nahe bei meinem Körper zu sein.
  • Bewegung & Sport
  • Schlaf
  • Essen
  • Dehnen

Strukturen für die Selbstverbindung

Um bei mir zu sein und mir selbst zuzuhören.
  • Morgen- und Abendroutine
  • Journaling & Reflexion
  • Meditation
  • Innehalten
  • Mein Frei-Tag

Strukturen für Beziehung

Um daran erinnert zu werden, wer ich bin und dass ich nicht alles alleine tragen muss.
  • Gespräche mit meiner Partnerin
  • Kontakt zu Eltern
  • Zeit mit Herzmenschen
  • Gespräche mit Tiefe

Strukturen für Sinn

Um zu spüren, wieso ich auf diese Welt gekommen bin.
  • Profil als Prozessanalyst
  • Buch-Projekt
  • Erkunden

Zuerst wollte ich die vier Bereiche nach deren Wichtigkeit ordnen, merkte aber ziemlich schnell, dass dies nicht geht. Denn alle sind wichtig. Vielleicht ist mal das eine etwas stärker ausgeprägt, da mir dies gerade jetzt etwas mehr Halt gibt. Dennoch möchte ich auch während dieser Zeit keines Missen.

Die Basis dazu: Genügsamkeit als Haltung

Das Schreiben dieser Zeilen erfüllt mich mit persönlichem Stolz. Denn meine Ruhe bzw. mein Halt beruht auf inneren Anteilen. Und da hilft mir sicher, dass ich Genügsamkeit als Haltung und nicht als Verzicht sehe.

Es geht weniger darum, sich etwas zu versagen, als darum weniger zu brauchen, um zufrieden zu sein.

Unbekannt

10 Minuten der Stille, eine kurze Joggingrunde, ein Gespräch – Dinge, die nichts kosten und sich nicht abnutzen, egal wie oft man sie tut.

Selbstfürsorge um die Erlaubnis zu wahren

Die Strukturen geben einerseits Halt. Vielmehr geht es aber darum, mir die Erlaubnis zu geben für Dinge, die ich mir sonst leicht entziehe, z. B. die Erlaubnis, nichts leisten zu müssen oder mir selbst jetzt zuzuhören.

Der Begriff mag etwas abgedroschen sein und für mich bedeutet Selbstfürsorge nicht, mich gelegentlich zu belohnen oder mich um die eigene Gesundheit zu kümmern (vgl. 1). Selbstfürsorge bedeutet, Strukturen zu pflegen, die mir die Erlaubnis geben, bei mir selbst zu bleiben.

Wenn du findest, das ist egoistisch: Nun, ich habe mal folgenden Satz gelesen: Selbstfürsorge heisst «Ich bin auch wichtig.», Egoismus sagt: «Nur ich bin wichtig.»

Vielleicht hilft dir dies, weniger ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn du dir Zeit für dich nimmst. Selbstfürsorge ist kein Gegensatz zu Mitgefühl, denn es bleibt Platz für andere. Mich berührt dieser Satz immer wieder, auch wenn ich diesen sicherlich schon um die fünfzig Mal gelesen habe.

Zusammenfassend: Wie gelingt Loslassen?

  1. Durch Verbindung zu mir selbst, zu meinem Körper, Menschen und Sinn
  2. Durch eine genügsame Haltung: Der Halt kommt kaum von äusseren Erfolgen.
  3. Durch Selbstfürsorge ohne schlechtes Gewissen, denn: «Ich bin auch wichtig.»

Die wirksamsten Strukturen in meinem Leben helfen mir somit nicht, mehr zu schaffen. Sie helfen mir, weniger gegen mich selbst arbeiten zu müssen. Vielleicht ist genau das meine Definition von Selbstfürsorge.

Dies, wie ich es erlebe. Ungefiltert, wie du dies von mir kennst aus meinen anderen Inhalten. Meine Frage zum Schluss: Was hilft dir, die Erlaubnis zu wahren oder weniger gegen dich selbst zu arbeiten? Vielleicht hilft es ja auch dir, hier einmal pro Woche eine kurze Wochenrückschau zu machen.


  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Selbstf%C3%BCrsorge ↩︎
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