Reflexionen meiner Reise: Erkenntnisse aus den ersten vier Monaten der Auseinandersetzung mit Sportsucht (Blog #04)

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Lesezeit: 5 Minuten

Seit Februar widme ich mich meinem «Wunsch nach Ausgeglichenheit». Es ist für mich kaum zu fassen, dass nun schon fast vier Monate verstrichen sind. «Wow, was ich in dieser Zeit alles lernen durfte!» ist einer meiner ersten Gedanken, welchen ich habe, wenn ich an die vergangenen Monate zurückdenke. Mein zweiter Gedanke ist: «Irgendwie bin ich aber noch nicht da, wo ich eigentlich nach dieser Zeit sein wollte.» Die liebe Ungeduld! Immer vorne mit dabei, wenn es darum geht, etwas zu bewerten.

Ich konnte viele Erkenntnisse gewinnen. Ich tue mich schwer damit, zu definieren, womit ich anfangen soll. Ich habe mich intensiv mit der Sportsucht befasst und versucht, meine Berührungspunkte mit der Sucht zu verstehen und zu verschriftlichen. Über Bücher, im Internet und im Austausch mit der Sportwissenschaft konnte ich mir ein Bild über die Sport- / Bewegungssucht verschaffen. Was mich an der heutigen Betrachtungsweise stört , ist die Darstellung in den Medien. Oft beinhalten die Artikel Bilder von abgemagerten Frauen. Dies vermittelt das falsche Bild, dass man nur dann sportsüchtig sein kann, wenn man super schlank ist. Unwesentlich kommen wir zu meinen Erkenntnissen:

  1. Vielschichtigkeit: Die Sportsucht geht über die Definition von primärer und sekundärer Sportsucht hinaus  (Definition siehe 1)). Abhängigkeit kann auch durch das Streben nach Zufriedenheit in einem frustrierenden Leben oder durch die Suche nach Selbstwert durch sportliche Leistungen entstehen.
  2. Leistungsfokus: In der Sportwissenschaft wird stark der Leistungsdruck thematisiert, aber die Fähigkeit zur Erholung häufig vernachlässigt. Übertraining kann auch durch mangelnde Erholung und ständigen Stress entstehen, nicht nur durch zu viel Training.
  3. Fehlende Hilfestellung: Es gibt kaum konkrete Hilfestellungen für Betroffene. Der Schwerpunkt in der Sportwissenschaft ist im Moment, die Sucht zu benennen und zu diagnostizieren, aber es gibt kaum Leitfäden für den Ausweg.

Um die Vielschichtigkeit zu erläutern, habe ich ein Modell erstellt:

Das Modell ist eine Kaskade, die den Zusammenhang zwischen Ursachen und dem Zustand «Leere & Ausgebranntsein» darstellt. Im Folgenden wird erläutert, wie das Modell zu verstehen ist: 

  1. Ursache und Endzustand: Das Modell zeigt eine Verbindung von der «Ursache» (auf der linken Seite) zum Endzustand «Leere & Ausgebranntsein» (auf der rechten Seite). Dazwischen liegen die Schichten «Überzeugen», «Handlungen» und die «zirkuläre Problematik» (umgangssprachlich Teufelskreis).
  2. Zirkuläre Problematik: Der Zustand «Leere und Ausgebranntsein» ensteht durch die zirkuläre Problematik. Dieser besteht aus den Elementen «Sportsucht», «Ermüdung» und «Übertraining». Diese Elemente beeinflussen sich gegenseitig. Zum Beispiel kann Ermüdung aufgrund fehlender Erholung zu Sportsucht führen.
  3. Handlungen: Die Handlungen sind die Antriebsmotoren der zirkulären Problematik. Beispiele sind ein «starker Leistungsantrieb» und «Anerkennung durch Sport», die zu Ermüdung oder Übertraining führen können. Ungesunde Kompensatoren wie «Eskapismus» oder «Frustabbau durch Bewegung» beeinflussen ebenfalls die zirkuläre Problematik.
  4. Überzeugungen: Weiter links von den Handlungen sind die Überzeugungen aufgeführt. Diese sind im Modell als «Ich muss leisten, um geliebt zu werden» oder «Ich muss einen perfekten Körper haben» dargestellt. Überzeugungen führen zu den Handlungen, die wiederum die zirkuläre Problematik beeinflussen. 

Das Modell zeigt, wie Überzeugungen, Handlungen in eine zirkuläre Problematik führen und letztendlich in den Zustand «Leere & Ausgebranntsein».

Das Modell ist ein Versuch, die Vielschichtigkeit der Sport- / Bewegungssucht zu beschreiben und klarzustellen, dass Sportsucht nicht «nur» durch das Verlangen nach mehr Sport entsteht, sondern Folge aus der Nutzung des Sports als Ventil bzw. für Stress-/Frustabbau, zur Kompensation eines geringen Selbstwertgefühls oder aufgrund fehlender Selbstfürsorge (was wiederum eine Folge zweiteres ist) sein kann. Weiter will ich zum Ausdruck bringen, dass ein suchtähnliches Verhalten zum Sport eine Folge von Ermüdung und Übertraining sein kann. Die Abhängigkeit zum Sport entsteht dadurch, dass aufgrund der Ermüdung oder des Übertrainings die gewünschten Trainingsreize ausbleiben, da der Körper ein intensives Training oder ein Training im gewünschten Umfang nicht mehr zulässt. Anstatt herauszufinden, wieso die körperliche Leistungsfähigkeit abfällt, wird unermesslich versucht, diesen Trainingsreiz (wieder) zu erlangen. Da der Reiz auch die Erlaubnis für die Regenration darstellt, ist der Zustand absehbar, in welchem (täglich) erfolglos einem «erfolgreichen» Training nachgejagt wird. Und auf diese Weise entsteht ein suchtähnliches Verhalten – nicht aufgrund des Verlangens nach mehr Sport, sondern aufgrund der Sehnsucht nach einem guttuenden und produktiven Training.

Das Modell ist auf meinen persönlichen Fall bezogen.  Der Einstieg in suchtähnliche Verhaltensmuster zum Sport erfolgte aufgrund der Ermüdung und des Gefangenseins im Übertraining. Es ist kein allgemeingültiges oder wissenschaftliches Modell, aber eine Schilderung, wie ich die «Sucht» nach heutiger Sicht erlebt habe, eine Art Verbildlichung der «Gefangenschaft im Sport». 

Mit meiner Reflexion möchte anregen, eine zwanghafte Beziehung zum Sport aus einer anderen Perspektive und offen zu betrachten. Es existieren nicht nur sportmedizinisch erforschte Ansätze; es ist zudem von Bedeutung, bereits frühzeitig eine genaue Betrachtung vorzunehmen, selbst wenn die Symptome nicht eindeutig klassifizierbar sind.

Die folgenden Erkenntnisse bilden die Grundlage für meine Arbeit im Bereich der Sport- / Bewegungssucht:

  1. Betrachtung zirkuläre Problematik statt Sucht: Ich entferne mich davon, die Sucht im Detail verstehen zu wollen. Ich setze den Fokus auf die Komponenten der zirkulären Problematik («Sportsucht», «Ermüdung» und «Übertraining») und orientiere mich an dessen Ausprägung (Leidensdruck) und was diesen triggert (Antriebsmotoren). 
  2. Die Handlungen tragen zum Problem bei: Ein Ausweg aus der zirkulären Problematik kann erreicht werden, indem man bei den Handlungen, Überzeugungen und Störungen ansetzt. Letztendlich ist die zirkuläre Problematik nichts anderes als das Ergebnis von schädigenden Handlungen, die in unserer inneren Welt verankert sind und darauf zurückzuführen sind, wir uns selbst wahrnehmen.

Ist dies nun der Weg, wie ich den Ausstieg aus der Getriebenheit und der Phase der Selbstaufopferung geschafft habe? Ja ist meine Antwort, doch so überzeugend ist dies ja (noch) nicht. Der Ausweg ist für mich noch zu wenig greifbar. Möchte ich einzelne Themen benennen, scheint mir die Liste zu lang, um dies bspw. in einem Leitfaden zum Ausstieg aus der Sport- / Bewegungssucht abbilden zu können.  Für mich kristallisieren sich langsam die Hauptthemen heraus:

  1. Selbstfürsorge
  2. Bildung/Wissen
  3. Innere Verbundenheit & Innere Ruhe

«Erforschen, was wirkt – Finden, was heilt!» (Dr. Ute Mahr).

«Finden was heilt»: Dies ist mein Commitment und der nächste Schritt. Ich will die Hauptthemen vertieft betrachten und die einzelnen Inhalte benennen können. Dazu brauche ich noch Hilfe bzw. den Austausch. Vielleicht kennst du jemanden, mit dem ich mich zum Thema Sport- / Bewegungssucht austauschen könnte (Sportwissenschaftler*in, selbst Betroffene*r, Suchtberater*in etc.)? Ja? Danke, dass du diesen Artikel mit dieser Person teilst. Ich schätze deine Unterstützung und deinen Beitrag dazu, dass ich bald mehr dazu berichten kann, wie der Ausstieg aus diesem Hamsterrad geschafft werden kann.

Nun interessiert mich deine Meinung. Was denkst du über das Modell? Macht es Sinn, ist es hilfreich oder doch eher verwirrend? Was fehlt? Ich freue mich auf deinen Input über LinkedIn oder per E-Mail an adrian@adrian-badertscher.ch.


Quellen, Links und weiterführende Informationen

Wenn du mehr über das Modell erfahren möchtest, dann hör dir unbedingt die Podcast-Episode «Wie ich heute meinen Weg in die Erschöpfungsdepression verstehe und welchen Anteil die Sport- / Bewegungssucht daran hat(te).🏃» an.

1) Primäre und Sekundäre Sportsucht

  • Primäre Sportsucht ist eine eigenständige Sucht, bei der das übermässige Sporttreiben selbst im Vordergrund steht. Die Betroffenen sind direkt süchtig nach dem Sport und den damit verbundenen Gefühlen wie dem sogenannten «Runner’s High» oder der körperlichen Betätigung an sich.
  • Sekundäre Sportsucht tritt als Symptom oder Folge einer anderen zugrunde liegenden psychischen Erkrankung auf, wie z.B. einer Essstörung (z. B. Anorexie oder Bulimie). In diesem Fall wird exzessiver Sport als Mittel zum Zweck genutzt, um z. B. Gewicht zu verlieren oder die Nahrungsaufnahme zu kompensieren.
Hinweise

Dieser Text wurde mithilfe von ChatGPT erstellt, einer KI-Sprachmodelltechnologie von OpenAI, die natürliche Sprache generiert. ChatGPT wurde verwendet, um den Text basierend auf den bereitgestellten Informationen zu strukturieren und umzuschreiben.

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