Die Ausgabe #126 (Frühling 24) des Magazins «bergundsteigen» setzt sich mit dem Thema (Berg-)Sucht auseinander, mit dem «Müssen» statt «Wollen» in die Berge zu gehen. (vgl. 1)) Ein Kollege war so nett, mir das Magazin, welches exklusiv im Abo mit 4 Ausgaben/Jahr zur Verfügung steht, zuzustellen, mit dem Wissen, dass mich dieses Thema interessiert.
Was beinhaltet das Magazin?
Artikel Schwerpunkt «SUCHT» Ausgabe #126 (Frühling 24) des Magazins «bergundsteigen»:
- Das Eigentor des Eskapismus
- Wenn Berglust zur Bergsucht wird
- Die Bohr-Maschinen
- „Ich habe das nie so wahnsinnig ernst betrieben“
- Hungern zum Erfolg
Ausgabenbeschreibung: https://www.bergundsteigen.com/artikel/bergundsteigen-126-ist-da
Mit grossem Interesse habe ich die rund 25 Seiten, die dem Suchtthema gewidmet sind, gelesen. Gestartet wird mit einer wissenschaftlichen Einführung und möglichen Gründen, wie es zu einer Sucht kommen kann. Hier durfte ich für mich die Fachbegriffe «dislocation» (zu Deutsch «Dislokation») und «Eskapismus» kennenlernen:
- Eskapismus bezieht sich auf den Wunsch oder die Handlung, der Realität zu entfliehen, oft durch Fantasie, Träume, Unterhaltung oder andere Aktivitäten, die eine vorübergehende Ablenkung bieten.
- Dislokation bezieht sich auf das Gefühl des Entwurzeltseins, des Verlusts oder der Fremdheit in einer bestimmten Umgebung. Es wird auch von der Entwurzelung und Entfremdung aufgrund sozialer Umwälzungen gesprochen. Ich habe dies bis jetzt mit «Leben gegen meine Werte» umschrieben; «dislocation» klingt natürlich viel moderner.
Diese beiden Konzepte stehen oft in Zusammenhang, da Eskapismus eine Möglichkeit sein kann, mit Dislokation umzugehen. Wenn jemand sich in einer Umgebung unwohl oder fremd fühlt, kann eine Realitätsflucht (Eskapismus) dazu dienen, dem vorübergehenden Gefühl der Dislokation zu entkommen. In gewisser Weise kann Eskapismus als eine Strategie betrachtet werden, um mit den negativen Auswirkungen der Dislokation umzugehen, indem man sich vorübergehend in eine andere Welt versetzt, die als sicherer oder angenehmer empfunden wird.
Wieso ich dies so detailliert aufgreife? Die beiden Konzepte sind meines Erachtens zentrale Ursachen für ein Suchtproblem. Eine Sucht hat immer mit Verdrängungen zu tun. Süchte dienen als Werkzeug, dem gegenwärtigen Moment zu widerstehen. Befinden wir uns in der Dislokation und nutzen den Eskapismus zum Entfliehen, ist ja die Abhängigkeit schon fast vorprogrammiert, oder? Ich glaube nicht weiter erläutern zu müssen, wo Heilung am wirksamsten ist.
Weiter wird in den Artikeln mit Schwerpunkt «Sucht» des Magazins anhand verschiedener Biografien der schmale Grat zwischen der Suche nach dem «gesunden» Abenteuer und der Sucht beschrieben. Abgerundet werden die Fokusseiten mit einem Beitrag zu Essstörungen, mit Fokus auf das «Hungern zum Erfolg», primär mit Fokus auf den Leistungssport.
Zusammenfassung und Fazit
Mich freut es zu lesen, dass ein Magazin wie bergundsteigen mit einer Auflage von 27’000 Exemplaren eine Ausgabe zum Themenschwerpunkte «Sucht» gemacht hat. Die Suchtthematik und die biochemischen Prozesse in unserem Körper werden einleuchtend beschrieben. Die Geschichten zu «exzessivem» (Berg-)Sport sind fesselnd, wobei hier nicht immer eine klare Linie zwischen Leidenschaft und doch eine Art Sucht ersichtlich ist. Im Magazin wird auch von einem Schwellenwert von sieben Trainingsstunden pro Woche gesprochen, ab dem es zur Sportsucht kommen kann (Seite 96). Mich stört hier der Begriff Trainingsstunden, da dieser das Wort Training beinhaltet und dies im Duden mit «planmässige Durchführung eines Programms von vielfältigen Übungen zur Ausbildung von Können, Stärkung der Kondition und Steigerung der Leistungsfähigkeit» definiert wird. Ein Süchtiger trainiert nicht, um die Leistungsfähigkeit zu steigern, sondern jagt der Sucht nach, um den Entzugserscheinungen zu entkommen oder eben zur Bewältigung von negativen Gefühlen. Inwiefern sich dies an eine Stundenzahl binden lässt, erachte ich als schwierig.
Die Sportsucht wird von einer Wissenschaftlerin als «Randproblem» bezeichnet, da unsere Gesellschaft eher das Problem hat, sich zu wenig, statt zu viel zu bewegen (Seite 97). Leuchtet mir ein, jedoch hilft dies Betroffenen wenig. Gemäss Flora Colledge, Sportwissenschaftlern an der Universität Luzern und mehrfach zitiert im Beitrag, gibt es noch keine klinische Studie zur Sportsucht-Therapie. Es gebe Hinweise, dass eine kognitive Verhaltenstherapie hilfreich sein könnte. Für einen Betroffenen sind m. E. die Informationen überfordernd und es wird kaum eine Hilfestellung geboten, wie dies bei sich erkannt, behandelt und überwunden werden kann.
Erstaunt war ich nach dem Lesen der Artikel darüber, wie gut eigentlich die Sportsucht schon erforscht zu sein scheint. Zweiter Gedanke: Nicht erstaunlich, denn es ist «einfach» eine Sucht, und es bestehen Analogien zu anderen Süchten: Es besteht also eine Abhängigkeit zu etwas, die Sucht verändert das Verhalten des Menschen, um ihr nachzugehen (negative Einflüsse) und bei Fehlen der Substanz treten Entzugserscheinungen auf. Egal ob dabei Alkohol (substanzgebundene Sucht), ein Spiel oder eben Sport «im Spiel» ist (beides substanzungebundene Süchte). Klar scheint auch, dass es beim Ausstieg eine Abgewöhnung braucht und ein kalter Entzug, also ein Komplettverzicht, bei einer Sportsucht nicht anstrebenswert ist. Du fragst dich, wie diese Abgewöhnungsphase aussehen mag? Ich bin der Meinung, dass es hier kein Rezept gibt, vielmehr wäre wohl ein Leitfaden hilfreich, um anhand eines strukturierten Ansatzes das eigene Abgewöhnungsprogramm zu gestalten. Und was häufig kaum thematisiert wird, mal zu verstehen und aufzuarbeiten, warum es überhaupt zu der Sucht kam. Denn vielleicht ist der Trigger nicht das Belohnungssystem, sondern weil dies eine (ungesunde) Bewältigungsstrategie für bspw. negative Gefühle ist. Somit sind wir wieder nahe beim Eskapismus, mit dem möchte ich dieses Thema im Moment auch einfach so stehen lassen.
Um dem fehlenden «Hilfeangebot» entgegenzuwirken, habe ich am Ende dieses Beitrages ein paar Links aufgeführt, welche ich als Antwort auf meine Anfrage an zwei Suchberatungsstellen erhalten habe und ich als hilfreich empfinde. Ich selbst hatte bis anhin keine Berührungspunkte mit den erwähnten Stellen.
Quellen, Links und weiterführende Informationen
1) bergundsteigen #126 (Frühling 24). (03.04.2024). Abgerufen am 23.04.2024 von bergundsteigen: https://www.bergundsteigen.com/ausgabe/126-fruehling-24/
Das Magazin «bergundsteigen» ist ein deutschsprachiges Magazin, welches sich auf die Themen Bergsteigen, Alpinismus und Outdoor-Aktivitäten konzentriert. Es bietet seinen Lesern fundierte Artikel, Reportagen und Tests zu Ausrüstung, Routen, Sicherheitstechniken und Abenteuern in den Bergen. Mit seinem Fokus auf Fachwissen und Erfahrungen richtet sich das Magazin an Bergsportbegeisterte und Outdoor-Enthusiasten, die nach Inspiration und praktischen Tipps für ihre eigenen Abenteuer suchen.
PS: Obschon das Magazin exklusiv im Abo verfügbar ist, liefert die Google-Suche nach «bergundsteigen sucht pdf 2024/03» erstaunlich gute Inhalte, bspw. die obenerwähnten Artikel als PDF. Du siehst, bis zum Ende lesen lohnt sich. 😉
Hinweise
Dieser Text wurde mithilfe von ChatGPT erstellt, einer KI-Sprachmodelltechnologie von OpenAI, die natürliche Sprache generiert. ChatGPT wurde verwendet, um den Text basierend auf den bereitgestellten Informationen zu strukturieren und umzuschreiben.


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