In der Zwischenzeit habe ich erkannt, was meinen Wunsch nach Ausgeglichenheit verhindert hat. Es war die Gefangenschaft in der zirkulären Problematik bestehend aus «Sport-/Bewegungssucht», «Übertraining» und «Ermüdung», die ich in «Reflexionen meiner Reise: Erkenntnisse aus den ersten vier Monaten der Auseinandersetzung mit Sportsucht (Blog #04)» ausführlich beschrieben habe. Die Lösung für den Ausstieg ist denkbar einfach: Gesunde Selbstfürsorge, Ruhe und Erholung.
So einfach wie es sich anhört, ist es dann doch nicht. Wieso nicht? Nun, die Begriffe Selbstfürsorge, Ruhe und Erholung sind nichts weiter als Begriffe. Klar, wir haben eine Vorstellung, worum es bei diesen Begriffen in etwa geht. Doch wie kann ich konkret Selbstfürsorge oder Erholung im Kontext einer Sport-/Bewegungssucht erlernen? Dieser Frage gehen wir in diesem Blog-Artikel etwas auf die Spur, indem wir ein Gedankenexperiment machen.
Herausforderungen
Beim Tippen des Wortes Gedankenexperiment meldet sich schon mein Verstand mit den Herausforderungen auf diesem Lernpfad:
- Kalter Entzug funktioniert nicht: Gesundes Mass an Bewegung darf erlernt werden. Doch was ist ein gesundes Mass? Mögliche Tages-/Wochenstruktur? Was hilft, um dies zu strukturieren und dann auch einhalten zu können unter Berücksichtigung des täglichen Energie-Levels?
- Wo ansetzen zur Überwindung: Zu benennen, was mir geholfen hat, heute wieder an dem Punkte zu stehen, wo ich bin. Das Ausbrennen ist lediglich das Ergebnis von etwas anderem, wie zum Beispiel Unzufriedenheit. Diese Vielschichtigkeit bei den Auslösern erschwert, einen klaren Einstiegspunkt definieren zu können.
Zusammenfassend
- Gesundes Mass an Bewegung darf erlernt werden, da ein kalter Entzug nicht funktioniert.
- Der erste Schritt zum «Ausstieg» ist aufgrund der Vielschichtigkeit und Komplexität schwierig zu definieren.
- Der Ausstieg kann nur Schritt für Schritt mit viel Geduld erfolgen.
Im Wesentlichen nichts Neues. Aber: Wissen ist das eine, dies aber in der Praxis umzusetzen (Verhaltensänderung) wiederum etwas ganz anderes. Insbesondere, wenn irgendwelche ungesunden Muster unser Verhalten beherrschen oder wir Strategien in uns tragen, um Problem x mit Verhalten y zu lösen (Bewältigungsstrategien).
Behandlung Sucht allgemein
Beim Stichwort Bewältigungsstrategien möchte ich einen kurzen Einschub machen zum allgemeinen Vorgehen bei einer Suchtbehandlung. Aufs wesentlichste fokussiert sind dies die folgenden Schritte:
- Einsicht
- Therapie
- Ursache & alternative Bewältigungsstrategien
- Auflösung negativer Denkmuster
- Motivationsförderung & Rückfallprävention
Somit das Ziel einer Suchttherapie: Das «Warum» hinterfragen, Alternativen zur Stressreduktion erarbeiten und der Entspannung und Selbstfürsorge einen grösseren Platz einräumen.
Gedankenexperiment
Mit diesem Wissen möchte ich ein Gedankenexperiment wagen. Mal angenommen… Ich möchte ein Wochenende-Seminar anbieten, welches zum Ziel hat, einen gesunden Umgang mit körperlicher Aktivität zu erlernen bzw. aus diesem permanenten Stressmodus auszubrechen. Oder müsste das Ziel fast eher sein, die Fähigkeit zur Erholung (wieder) zu erlangen. Wenn schon die Zielformulierung schwierig ist, kann es ja heiter werden, den Inhalt des Kurses zu benennen. Bekannterweise ist es einfacher das zu benennen, was man nicht will als umgekehrt. Was ich nicht möchte, ist ein Persönlichkeitsentwicklungsseminar à la Christian Bischoff, wie rein durch die Denkweise (Mindset) morgen ein komplett neues (besseres, erfolgreiches und erfüllteres) Leben erschafft werden kann. Stimmt schon, ich denke aber, dass wir an einem anderen Punkt anzusetzen haben bzw. dies noch nicht die erste Baustelle ist. Aus meiner Sicht ist es wichtiger, den Weg vorzubereiten, um überhaupt wieder an den Punkt zu kommen, «nachhaltig» an sich arbeiten zu können. Also mal herauszukommen aus dieser Getriebenheit, dem «permanenten-leisten-müssen», dem «ich-mache-noch-weiter-obschon-mein-Körper-erschöpft-ist».
Ich wage somit die Sinnhaftigkeit des Ziels «Gesunder Umgang mit körperlicher Aktivität entwickeln» infrage zu stellen. Denn das innerlich loszulassen, um in den Zustand zu kommen, sich zu erholen, hat nichts mit dem gesunden Umgang mit körperlicher Aktivität zu tun. Aber irgendwie doch, da dies helfen kann, um eben loszulassen zu können. Schon sind wir mitten im Thema und ich würde mit einer Definition beginnen, was ein gesunder Umgang mit körperlicher Aktivität ist. Lass uns doch gleich gemeinsam dazu brainstormen: Zum Mentimeter «Was bedeutet gesunder Umgang mit körperlicher Aktivität für dich?»: https://www.menti.com/alitak3e2ecg. Das Resultat wird zwei Wochen nach der Veröffentlichung im Abschnitt «Quellen, Links und weiterführende Informationen» ergänzt.
Jetzt wissen wir, wie eine gesunde Beziehung zu Sport aussehen müsste. Ungesund wäre, wenn:
- du immer mehr Sport «brauchst» und eine Abhängigkeit (Abstinenz) entwickelt hast (Primäre Sportsucht)
- du den Sport nutzt, um dein Gewicht zu kontrollieren bzw. zu regulieren (Sekundäre Sportsucht)
- du den Sport nutzt, um der Realität zu entfliehen, Stress abzubauen, Frust zu kompensieren oder um dein Selbstwertgefühl aufzupolieren (Sport als Allheilmittel)
Dies zum Thema Beziehung zum Sport. Einen Schritt weiter würde ich versuchen, den Leidensdruck zu benennen, um dann die eigene Absichtserklärung «zur Erforschung des persönlichen Ausgleiches» zu formulieren. Auf dem Weg wird es zu Rückschlägen kommen, hier hilft es, ein klares Warum zu haben und dies auch tief in sich verankert zu haben. Hier würde ich mit Inputs aus meiner Geschichte anregen, das Thema ernst zu nehmen.
Zitat aus dem «Reflexionen meiner Reise: Erkenntnisse aus den ersten vier Monaten der Auseinandersetzung mit Sportsucht (Blog #04)»:
Die Handlungen tragen zum Problem bei: Ein Ausweg aus der zirkulären Problematik kann erreicht werden, indem man bei den Handlungen, Überzeugungen und Störungen ansetzt. Letztendlich ist die zirkuläre Problematik nichts anderes als das Ergebnis von schädigenden Handlungen, die in unserer inneren Welt verankert sind und darauf zurückzuführen sind, wir uns selbst wahrnehmen.
Somit kommen wir langsam ans Eingemachte oder eben zur «inneren Welt», welche wie folgt verändert werden kann:
- Selbstfürsorge
- Bildung/Wissen
- Innere Verbundenheit & Innere Ruhe
Also gibt es als Nächstes für jede*n Teilnehmer*in eine Yoga-Matte und ein Buch, wie Selbstfürsorge erlernt werden kann. Problem gelöst, klasse! Da würde wohl noch einiges fehlen an Hilfestellung fehlen. Ich bin der Meinung, dass es einen Praxisbezug braucht, um die Themen der «innerer Welt» greifbar zu machen. Daher würde ich folgende fünf Themen-Sessions machen, in welchen ich als Experte aus Erfahrung jeweils meinen Weg teile, wie ich dies erlernen dufte, was mir dabei geholfen hat (ggf. Wissen) und welche Fehler mir unterlaufen sind:
- Sorge für dich, es macht es sonst niemand für dich.
- Auch du brauchst Erholung, um langfristig leistungsfähig zu bleiben.
- Der Mensch braucht Bewegung, nicht zwingend Sport. Und ja: Bewegung ist verdammt vielseitig.
- Finde die Fülle in dir.
- Gestalte dein Leben, wie es dir entspricht.
In der zweiten Themensession «Auch du brauchst Erholung, um langfristig leistungsfähig zu bleiben.» würde ich inhaltlich folgende Themen behandeln:
- Wissen zu Stressbewältigungstechniken, Regenration & Erholung, Erholungsmythen, ev. Exkurs zur Wichtigkeit im (Ausdauer-)Sport.
- Vom Müssen ins Dürfen: Wegkommen permanente Leistungsorientierung aufgrund Überzeugungen, Glaubenssätze und Selbstwert. Ja, du darfst Dinge machen, einfach weil sie dir guttun!
- Die Kunst des Nichtstuns. Exkurs Mythos: Nichtstun vs. Tage, wo du einfach nichts musst.
- Fehler:
- Keine Erholung/Regenration erlaubt.
- Streben nach immer produktivem Training.
- Kognitive Überlast aufgrund hoher Erwartungen, fehlender Pausen & Entspannung.
- «Norm-Alltag» von 8 bis 17 Uhr erfüllen zu müssen.
- Training in der Erschöpfung: Kürzer, dafür öfter.
- Reizflutungen gesucht.
Ähnlich würde ich dies auch für die weiteren vier Sessions aufbauen. Als Nächstes würde ich Einblick in meinen Werkzeugkoffer gewähren. Hier würde ich (fast) alles offenlegen, was mir geholfen hat, an den Punkt zu kommen, wo ich heute wieder bin. Sei dies über Alltagshelfer, Tools, Kurse, Coachings, was auch immer. Dies kann auch nur eine ganze einfache Liste sein, um etwas zu tracken (bspw. die Stimmung) und dies visuell darzustellen. Oft sind es die kleinen Dinge, die einen grossen Mehrwert bringen, um einen Aha-Effekt für eine Verhaltensveränderung herbeiführen zu können.
Über die Themen-Sessions haben wir einen Praxisbezug geschaffen und die Wichtigkeit, sich um die innere Welt zu kümmern, untermalt. Über die Werkzeuge gab es Inputs, wie das erlernte in den Alltag integriert und angewendet werden kann. Betonung auf kann, denn dies nachhaltig in den Alltag zu integrieren ist sicherlich die grösste Herausforderung. In der Königsetappe des Seminars entwickelt jede*r Teilnehmer*in ein persönliches Entwicklungsprogramm. Wichtig ist hierbei, das schrittweise Vorgehen, um sich nicht zu überfordern. So würde ich empfehlen, zu Beginn maximal 3 Elemente in den Alltag zu übernehmen und dann in einer Evaluationsphase z. B. nach 3 Wochen zu prüfen, ob dies eine Wirkung hatte oder ob ggf. eine Anpassung des Plans braucht. Während dieses Teils des Seminars bin da für Unterstützung und versuche fortlaufend Themen aufzugreifen, wo ich sehe, dass dies dem Plenum dienen könnte.
Zum Schluss möchte ich noch ein paar Worte aus meiner Geschichte als Motivation mitgeben. Der Weg ist steinig, aber auch aus Steinen kann etwas Schönes gemacht werden. Mein Wunsch ist es, dass die Teilnehmer*innen das Seminar mit einem Gefühl der Verbundenheit und Zuversicht verlassen.
Zusammenfassend die Agenda als Antwort aus dem Gedankenspiel auf die Frage «Wie würde ich ein Wochenende-Seminar gestalten…»:
- Onboarding
- Ziel
- Was ist ein gesunder Umgang mit körperlicher Aktivität?
- Absichtserklärung
- Themen-Sessions
- Werkzeuge
- Entwicklungsprogramm
- Abschluss
Spricht dich diese Beschreibung für das Seminar an? Was fehlt? Bist du interessiert, Co-Moderator am Seminar zu sein? Ich bin gespannt auf dein Feedback.
Noch mehr über das Gedankenexperiment erfährst du in der gleichnamigen Podcast-Episode: «Gedankenexperiment «Ausstiegsseminar». Eine Wegskizze aus der Getriebenheit. (Folge #25)»
Quellen, Links und weiterführende Informationen
Ergebnis Mentimeter Umfrage «Was bedeutet gesunder Umgang mit körperlicher Aktivität für dich?»:

Mehrfach erwähnter Blog-Beitrag «Reflexionen meiner Reise: Erkenntnisse aus den ersten vier Monaten der Auseinandersetzung mit Sportsucht (Blog #04)».
Hinweise
Dieser Text wurde ohne Hilfe von ChatGPT erstellt. Darf ja auch mal sein.😀


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