Warum du nicht erschöpft bist, sondern nicht loslassen kannst (Blog #19)

Lesezeit: 3 Minuten

Kennst du das Gefühl des zu wenig Machens? Zu wenig für deine Entwicklung, zu wenig für dein Leben, zu wenig für das, was du eigentlich erreichen möchtest? Dieser innere Zug, der dich antreibt – auch wenn du eigentlich gerade Pause nötig hättest.

Vielleicht ist es aber genau umgekehrt. Vielleicht machst du nicht zu wenig. Vielleicht machst du zu viel. Und vielleicht ist das gar nicht das eigentliche Problem.

Oder etwas anders ausgedrückt: Vielleicht bist du nicht erschöpft, weil du zu viel machst. Vielleicht bist du erschöpft, weil du nicht loslassen kannst.

Die falsche Diagnose

Wer erschöpft ist, denkt meist: Ich habe zu viel geleistet. Also muss ich weniger tun. Logisch – und trotzdem oft falsch. Denn das Problem sitzt nicht auf der Anspannungsseite. Es sitzt auf der Entspannungsseite. Meine Kernüberzeugung, die ich immer wieder neu lerne:

Nicht die Anspannung ist das Problem, sondern das Nicht-Loslassen-Können, um sich zu erholen.

Das Ladegerät mit Defekt

Stell dir deine Energie wie eine Batterie vor. Der Ladestand sinkt bei Anspannung – und steigt bei Entspannung. So weit, so klar. Aber was passiert, wenn dein Ladegerät einen Defekt hat? Du ziehst nicht mehr Energie als sonst. Du lädst einfach nicht mehr richtig nach. Und irgendwann – nicht wegen zu viel Leistung, sondern wegen zu wenig Erholung – ist die Batterie leer. Einfach ein logischer Mechanismus, oder?

Wenn du glaubst, das betrifft nur dich: Probier kurz ein Experiment. Suche nach «nicht abschalten können». Spätestens nach Seite drei merkst du – entweder hat die halbe Welt ein Problem… oder wir nennen es einfach Alltag oder die Norm.

Was Erholung wirklich braucht

Eine Pause hilft. Schlafen hilft. Aber beides reicht nicht – wenn du innerlich noch angespannt bist. Körperliche Erholung ist eng gekoppelt mit geistiger Ruhe. Solange du gestresst oder innerlich angespannt bist, verhindert das dem Körper, sich zu erholen. Er befindet sich im Kampf- oder Fluchtmodus. Und in diesem Modus findet eine deutlich eingeschränkte Regeneration statt – egal wie lange du dich der Erholung «widmest».

Nur wenn du loslassen kannst, erlaubst du dem Körper, sich zu erholen und Stresshormone abzubauen. Das klingt einfach. Ist es aber nicht. Denn der Defekt im Ladegerät hat einen Namen: innerer Leistungsdruck.

Innerer Leistungsdruck führt zu chronischem Stress. Die Aufmerksamkeit bleibt im Tun, im Müssen, im Weitermachen – sprich im Werterbringen. Man vergisst sich selbst. Und das Tückische: Man redet sich das Problem klein. Einfach weitermachen, gegen die Erschöpfung ankämpfen, statt sie zuzulassen. Dies führt zu Wiederstand, was zu zusätzlicher Anspannung beiträgt.

Drei Mythen, die dich aufhalten

Bevor es zum Kern geht, kurz drei Überzeugungen, die ich selbst lange mit mir getragen habe – und die schlicht nicht stimmen.

  1. «Erholung findet nur im Schlaf statt.» Nein. Erholung kann und darf durch den ganzen Tag stattfinden – in kleinen Pausen, in bewussten Momenten. Sie beginnt in der ersten Minute nach dem Aufstehen. Wer auf die nächsten Ferien wartet, um sich zu erholen, wartet zu lange.
  2. «Erholung ist rein körperlich.» Nein. Damit sich der Körper erholen kann, muss zuerst der Geist loslassen. Erlaubst du dir die Erholung nicht im Kopf, wird sie auch körperlich nicht stattfinden. Es bleibt eine innere Anspannung, die dies verhindert.
  3. «Erholung brauche nur die anderen.» Stimmt nicht. Du bist nicht die Ausnahme. Auch du brauchst Erholung, um langfristig leistungsfähig zu bleiben.

Es startet beim Erlauben

Hier liegt der Kern – und er ist einfacher und schwieriger zugleich, als ich lange gedacht habe. Die Verbindung zwischen kognitiver Ruhe und körperlicher Regeneration ist keine Theorie. Sie ist spürbar. Wer innerlich nicht zur Ruhe kommt, erholt sich nicht – egal was er äusserlich tut. Erholung ist die Voraussetzung für nachhaltige Leistungsfähigkeit.

Aber es startet nicht mit einer Technik. Es startet mit einer Erlaubnis. Der Erlaubnis, loszulassen. Sich zu erholen. Nicht zu müssen.

Das ist erlernbar. Ich lerne es selbst, immer noch.

Eine kleine Übung dazu: Lege dir am Abend ein Blatt Papier bereit und schreibe jeden Morgen, direkt nach dem Aufstehen, einen Erlaubenssatz auf wie «Auch ich habe ein Recht auf Erholung» oder «Mein Ausgleich ist meine Priorität». Passe den Satz so an, dass es für dich stimmig ist. Wichtig ist die Regelmässigkeit, um das entsprechende Gefühl in sich kultivieren zu können.

Eine Frage für den Alltag

Oft sind es die kleinen Dinge, die grosse Wirkung entfalten können. Daher nur eine Frage für dich – ehrlich gestellt.

Wie stark fühlst DU dich gerade innerlich angespannt?

Auf einer Skala von 0 bis 10. 0 ist vollständige Ruhe. 10 ist maximale innere Anspannung. Alternativ kannst du dies auch anhand der Farben einer Ampel von rot, gelb zu grün bewerten.

Wichtig dabei: Nicht werten, was kommt. Nur wahrnehmen. Alles darf da sein. Diese Frage kann dir helfen im Alltag immer wieder den Blick nach innen zu richten. So hast du eine Chance festzustellen, dass du regelmässig oder chronisch angespannt bist und trotz einer eigentlich «Pause» nicht so richtig pausieren kannst – dann weisst du, dass dein Ladegerät klemmt.

Und wenn du merkst, dass du im roten Bereich bist: Nimm dir 30 Sekunden, atme bewusst aus und lass für einen Moment alles stehen – ohne es sofort lösen zu müssen. Diese Mini-Meditation hilft dir dabei, kurz wieder bei dir anzukommen.

Wie du konkret lernst loszulassen, dazu mehr in einem späteren Inhalt.


Suchst du persönlichen Austausch?

Ich bin gerne dein Gesprächspartner auf Augenhöhe – Hier mehr erfahren


Beitrag veröffentlicht

von

Letzte Änderung

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert