Wenn der Sport dich beherrscht: Die schleichende Gefahr der Sportsucht (Blog #08)

Lesezeit: 6 Minuten

Du denkst, du bist sicher, nur weil du regelmässig Sport treibst? Denk nochmal nach. Sportsucht ist real und sie kann auch dich betreffen. Hast du jemals das Gefühl gehabt, dass du nicht aufhören kannst, dass du dich unwohl fühlst, wenn du mal einen Tag pausierst? Vielleicht willst du es nicht wahrhaben, aber genau hier beginnt die Gefahr. Es beginnt langsam, fast unmerklich, bis du irgendwann bemerkst, dass der Sport dein Leben beherrscht. Du magst denken, dass dies nur extremen Fällen vorbehalten ist, doch die Wahrheit ist: Niemand ist sicher. Wenn du das Gefühl hast, dass dir der Sport mehr nimmt als gibt, ist es an der Zeit, innezuhalten und dich zu reflektieren.

Kurzgeschichte: Der Lauf ins Ungewisse

Max begann vor einem Jahr mit dem Laufen, um sich fitter zu fühlen. Was als gesunde Routine begann, entwickelte sich schnell zu einer gefährlichen Abhängigkeit. Anfangs lief Max zweimal die Woche – es war eine wohltuende Gewohnheit, die ihm half, den Kopf freizubekommen. Doch bald lief er fast täglich. Max konnte nicht mehr aufhören, fühlte sich unruhig, wenn er einen Tag pausierte. Das Laufen wurde zu seiner Flucht vor Stress und Problemen. Freunde und Familie bemerkten, dass er sich immer mehr zurückzog, doch er wollte es nicht wahrhaben. Schmerzen ignorierte er, Arbeit und soziale Kontakte wurden vernachlässigt. Erst ein Zusammenbruch im Krankenhaus brachte ihn zur bitteren Erkenntnis: Was als gesunde Gewohnheit begann, hatte sein Leben vollständig eingenommen. Wann wird aus gesundem Training eine Krankheit? Wenn du den Punkt überschreitest, an dem du ohne nicht mehr kannst.

Die schleichende Entstehung der Sportsucht

Die Grenze zwischen gesundem Training und Missbrauch ist fliessend und oft schwer zu erkennen. Sport sollte dazu dienen, dich zu stärken – körperlich und mental. Aber was passiert, wenn der Sport zur einzigen Möglichkeit wird, deine inneren Konflikte zu bewältigen? Wenn du Sport als Flucht vor dir selbst nutzt, um Kontrolle über deinen Körper zu erlangen, die du in anderen Lebensbereichen nicht hast, dann begibst du dich auf einen gefährlichen Pfad.

Entstehung Sportsucht anhand der Sichtweise von Schack
Entstehung Sportsucht anhand der Sichtweise von Schack (Schack, 2000, p.148)

Die Entstehung der Sportsucht lässt sich in vier Phasen nach Thomas Schack unterteilen: Zunächst beginnt es mit der Sportzuwendung, in der das Training als positiver Ausgleich wahrgenommen wird. In der Sportbindung wird Sport zunehmend ein fester Bestandteil des Alltags, was in der Übergangsphase allmählich in ein zwanghaftes Verhalten mündet, bis schliesslich die Sportsucht den Alltag komplett dominiert und das Verhalten des Betroffenen kontrolliert.

Diese Form der Selbstaufopferung mag kurzfristig Erleichterung bringen, doch auf lange Sicht führt sie dich in eine Spirale aus Überlastung, Erschöpfung und Isolation. Hör auf deinen Körper. Wenn du anfängst, ihn zu missbrauchen, ist es Zeit Handeln zu überdenken.

Sportmissbrauch: Wo liegt die Grenze?

Die Grenze zwischen gesundem Training und Missbrauch ist fliessend und oft schwer zu erkennen. Sport sollte dazu dienen, dich zu stärken – körperlich und mental. Aber was passiert, wenn der Sport zur einzigen Möglichkeit wird, deine inneren Konflikte zu bewältigen? Wenn du Sport als Flucht vor dir selbst nutzt, um Kontrolle über deinen Körper zu erlangen, die du in anderen Lebensbereichen nicht hast, dann begibst du dich auf einen gefährlichen Pfad. Diese Form der Selbstaufopferung mag kurzfristig Erleichterung bringen, doch auf lange Sicht führt sie dich in eine Spirale aus Überlastung, Erschöpfung und Isolation. Hör auf deinen Körper. Wenn du anfängst, ihn zu missbrauchen, ist es Zeit für eine Pause.

Innere Antreiber und Identitätsprobleme

Hast du dich jemals gefragt, warum du so viel trainierst? Oft liegen die Gründe tiefer als das blosse Streben nach Fitness. Leistungsdruck, das Bedürfnis, sich zu beweisen, oder die Angst vor Ablehnung können tiefe Wurzeln dieses Verhaltens sein. Du definierst dich über deinen sportlichen Erfolg, weil du dich ohne diesen nicht vollständig fühlst. Dabei läufst du nicht nur vor deinen Ängsten davon, sondern auch vor dir selbst. Eine gestörte Selbstwahrnehmung und ein fragiles Selbstwertgefühl treiben dich dazu, immer mehr von dir zu fordern. Doch wohin führt das? Zu mehr Zufriedenheit? Oder nur zu mehr Druck? Die Antwort liegt in dir.

Der Ausweg: Erkenne die Anzeichen

Es ist nie zu spät, den Kurs zu ändern. Die ersten Schritte sind oft die schwersten: Erkenne die Anzeichen, die auf eine Abhängigkeit hindeuten könnten. Frage dich ehrlich: Läufst du noch aus Freude oder schon aus Zwang? Hörst du auf deinen Körper, wenn er nach Ruhe verlangt, oder ignorierst du seine Signale? Der Weg aus der Sportsucht beginnt mit der Erkenntnis, dass du ein Problem hast. Und diese Erkenntnis ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke. Du hast die Macht, das Steuer herumzureissen – fang jetzt damit an.

Zum Schluss: Mythen zur Sport-/Bewegungssucht

Es gibt einige Mythen rund um die Sport- oder Bewegungssucht, die oft missverstanden oder falsch interpretiert werden. Hier sind einige der häufigsten:

  1. Sport-/Bewegungssucht ist nur ein Problem von Leistungssportlern: Ein verbreiteter Mythos ist, dass nur Leistungssportler oder Profis von Bewegungssucht betroffen sein können. Tatsächlich kann jeder, unabhängig vom Leistungsniveau, eine Sucht nach Sport entwickeln.
  2.  Sport-/Bewegungssucht ist immer offensichtlich: Viele glauben, dass Bewegungssucht leicht zu erkennen ist, aber oft sind die Anzeichen subtil. Betroffene können ihr Verhalten verbergen oder rationalisieren, dass sie nur «gesund» leben wollen.
  3. Sport-/Bewegungssucht ist gesund: Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass viel Sport immer gesund ist. Wenn Sport zwanghaft betrieben wird, kann dies jedoch zu körperlichen und psychischen Schäden führen, einschliesslich Verletzungen, Erschöpfung und sozialer Isolation.
  4. Sport-/Bewegungssucht betrifft nur Männer: Obwohl Sport- und Bewegungssucht häufiger bei Männern vorkommt, sind auch Frauen betroffen. Die Problematik wird bei Frauen oft übersehen oder anders interpretiert.
  5. Man kann nicht süchtig nach etwas Gesundem werden: Viele Menschen glauben, dass eine Sucht nach Sport keine echte Sucht ist, weil Sport als gesund angesehen wird. Eine Sucht nach Bewegung kann jedoch dieselben negativen Auswirkungen auf das Leben eines Menschen haben wie jede andere Sucht.
  6. Es ist einfach, die Sucht zu überwinden: Sport-/Bewegungssucht kann schwer zu überwinden sein, da sie oft mit anderen psychischen Problemen wie Essstörungen oder Körperbildproblemen verbunden ist. Die Behandlung erfordert oft professionelle Hilfe und ein umfassendes Verständnis der zugrunde liegenden Ursachen.
  7. Mehr ist immer besser: Dieser Mythos besagt, dass mehr Bewegung immer besser ist. In Wirklichkeit kann zu viel Sport, insbesondere ohne ausreichende Erholung, zu körperlichen und psychischen Problemen führen.

Diese Mythen tragen oft dazu bei, dass Sport- und Bewegungssucht nicht als ernstes Problem wahrgenommen wird, was die Diagnose und Behandlung erschwert.


Quellen, Links und weiterführende Informationen

Weiterführende Informationen zur Diagnose

Es gibt über 20 Messinstrument, das entwickelt wurde, um das Risiko einer Sportsucht zu beurteilen und frühzeitig problematische Verhaltensmuster zu identifizieren (vgl. Jens Kleinert, Almut Zeeck, Heiko Ziemainz, 2020, p. 141). Gängige Instrumente zum Screening von Sportsucht sind Exercise Dependence Questionnaire (EDQ), Exercise Dependence Scale (EDS-R) und Exercise Addiction Inventory (EAI). Die Fragebogen sind typischerweise in mehrere Items unterteilt, die anhand einer Likert-Skala1) bewertet werden, um verschiedene Dimensionen des Verhaltens, wie Kontrolle, Entzugserscheinungen und Toleranz, zu erfassen. Die Bachelorarbeit «Laufsucht. Untersuchung ausgewählter Studien zur Ableitung der Diagnosekriterien» (Wicht, 2016), welche zum Ziel hat eine definitorische Grundlage und Diagnosekriterien für Laufsucht anhand ausgewählter empirischer Studien zu erarbeiten und mit den internationalen Diagnosekriterien für stoffgebundene Abhängigkeit und Verhaltenssucht zu vergleichen, hält folgende Diagnosekriterien für eine Laufsucht fest (Wicht, 2016, p. 52)

  • Der Betroffene muss die Dosis des Laufens stetig erhöhen, das heisst Umfang-, Häufigkeit-, Intensitäts- und/oder Dauererhöhung (Kriterium 1).
  • Der Versuch, das Laufen wieder auf ein «normales Niveau» zu regulieren, misslingt. Der Betroffene leidet unter Rastlosigkeit und zeigt Irritierung, falls das Laufen eingeschränkt oder gar nicht ausgeführt werden kann (Kriterium 2).
  • Es wird viel Zeit in die Vorbereitung und Ausführung des Laufens investiert, sodass sich fast alle täglichen Aktivitäten um das Laufen drehen. In Gedanken ist der Betroffene immer mit dem Laufen beschäftigt und kann sich so auf nichts anderes konsequent konzentrieren (Kriterium 3).
  • Es entsteht ein extremes Verlangen, ein intensiver Wunsch, zu laufen (Kriterium 4).
  • Die sozialen und gesellschaftlichen Aufgaben und Ansprüche können nicht mehr erfüllt werden (Kriterium 5).
  • Es entstehen soziale, zwischenmenschliche Probleme wie Gefährdung oder Verlust von Beziehung, Beruf, Karriere oder sozialem Ansehen (Kriterium 6).
  • Durch die volle Konzentration auf das Laufen treten wichtige soziale, berufliche oder auch freizeitliche Aktivitäten in den Hintergrund oder werden überhaupt nicht mehr erfüllt (Kriterium 7).
  • Das Laufen wird extensiv betrieben, obwohl dieses zu einer körperlichen Gefährdung führt (Kriterium 8).
  • Der Betroffene ist unbelehrbar in Bezug auf das Laufen. Er selbst weiss um die psychischen und körperlichen Probleme, die durch seine Laufaktivität entstehen oder bereits entstanden sind (Kriterium 9).
  • Toleranzentwicklung tritt auf (Kriterium 10).
  • Auftreten von Entzugserscheinungen nach etwa 24-48 Stunden Laufabstinenz (Kriterium 11).
  • Der Betroffene trainiert mit hohen Umfängen (Dauer, Intensität, Häufigkeit) (Kriterium 12).
  • Der Betroffene trainiert seit mehreren Jahren (Kriterium 13).

1) Likert-Skala: Eine Likert-Skala ist eine Bewertungsskala, die in Fragebögen verwendet wird, um die Zustimmung oder Ablehnung zu einer Aussage zu messen, wobei die Antwortmöglichkeiten in der Regel von «stimme überhaupt nicht zu» bis «stimme voll und ganz zu» reichen und typischerweise 5 oder 7 Stufen umfassen.

Weiterführende Informationen zur Sportsucht
  • Artikel https://de.m.wikipedia.org/wiki/Exzessives_Sporttreiben
  • Buch «Bei Krankheit und Gesundheit – Bewegungssucht bei Ausdauersportlern.» von Abigail Ruby
  • Buch «Sportsucht und pathologisches Bewegungsverhalten», von Buch von Almut Zeeck, Heiko Ziemainz und Jens Kleinert
Quellen

Jens Kleinert, Almut Zeeck, Heiko Ziemainz. (2020). Sportsucht und pathologisches Bewegungsverhalten. Stuttgart: Kohlhammer.Ruby, A. (2021). Bei Krankheit und Gesundheit – Bewegungssucht bei Ausdauersportlern. Mauritius: Sciencia Scripts.
Sportsucht – Wenn Bewegung zur Droge wird. (kein Datum). Abgerufen am 08.08.2024 von Verhalen a Verhalenssucht (ZEV): https://www.zev.lu/suchtverhalten/sportsucht/
Wicht, S. (2016). Laufsucht. Untersuchung ausgewählter Studien zur Ableitung der Diagnosekriterien. Technische Universität Dortmund (Sportinsitut). Von https://www.grin.com/document/322209 abgerufen
Schack, T. (2000). Laufsucht. In H. Ziemainz, O. Stoll, & U. Schmitt (Hrsg.), Psychologie in Ausdauersportarten (S. 128-152). Butzbach-Griedel: Afra Verlag.

Hinweise

Dieser Text wurde mithilfe von ChatGPT erstellt, einer KI-Sprachmodelltechnologie von OpenAI, die natürliche Sprache generiert. ChatGPT wurde verwendet, um den Text basierend auf den bereitgestellten Informationen zu strukturieren und umzuschreiben.

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Kommentare

Eine Antwort zu «Wenn der Sport dich beherrscht: Die schleichende Gefahr der Sportsucht (Blog #08)»

  1. Avatar von Thomas Gerber
    Thomas Gerber

    Hilfreicher Selbsttest: Bin ich sportsüchtig oder gefährdet? https://www.onmeda.de/krankheiten/sportsucht/test-sportsucht-id203096/

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